Nachtaufnahmen am Schweriner See

Eigentlich sollte es nur ein kurzer Trip nach Raben Steinfeld werden. Kurz hinter dem Ortsausgang in Richtung Görslow stehen dort auf dem Acker mehrere Baumgruppen - große, alte Eichen. Diese als Silhouette vor dem Nachthimmel zu fotografieren hab ich schon länger vor. Da Vollmond ist und dazu klarer Himmel, hab ich den Fotorucksack gepackt, das Stativ auf den Gepäckträger geschnallt und bin so gegen 20:00 Uhr losgefahren, um noch im Hellen einen guten Kamerastandort zu finden.

Allerdings war ich das letzte mal im Frühjahr dort und wusste nicht, wie das Feld aussieht. Und ich hab die Rechnung ohne den Landwirt gemacht. Gut 2 Meter hoch stand der Mais, keine Chance einen Blick auf mein gesuchtes Motiv zu bekommen. Also noch ein Stück weiter fahren, jetzt wo ich schon mal da war. Am Abzweig in Richtung Godern geht der Radweg über eine kleine Anhöhe und gibt den Blick in Richtung See bzw. auf die Bäume am Uferhang frei. Ein Himmel mit tollen Farbtönen und kein Weg zum Wasser. Lange suchen oder ein Stück zurück fahren bringt nichts, es sind nur noch 10 Minuten bis die Sonne verschwindet. Also Stativ aufbauen und ein Bild von der Straße aus schießen.

Der Blick zum Uferhang lässt einen schönen Sonnenuntergang vermuten.
Der Blick zum Uferhang lässt einen schönen Sonnenuntergang vermuten.

Als ich abbauen und weiterfahren will, sehe ich auf der gegenüber liegenden Seite, dass sich der Mond schon über den Wald erhoben hat. Also gibt es davon auch noch ein Foto.

Okay, das Projekt “knorrige Eiche” muss ich bis nach der Ernte vertagen. Mir fällt die alte, verfallene Scheune kurz hinter Görslow ein. Ist ja nicht mehr weit und wenn ich um diese Zeit schon mal hier bin. Aber erst mal die Jacke aus dem Rucksack kramen, jetzt wo die Sonne weg ist, wird es merklich frisch.

alte Scheune an der L101 am Ortsrand Görslow
alte Scheune an der L101 am Ortsrand Görslow

Bis Leezen ist es nur noch ein Stück und von dort hat man eine schöne Aussicht über den Schweriner Innensee. Schwerin selbst gibt bei diesem Licht kein so gutes Motiv ab. Es ist noch zu hell und die Lichter der Stadt kommen nicht so gut zur Geltung. Dafür ist der Blick in Richtung Paulsdamm umso lohnender. Eine Landschaft in herrlichen Pastelltönen.

Schweriner See bei Leezen
Schweriner See bei Leezen

Inzwischen bin ich fast um den halben See gefahren. Selbe Strecke zurück oder die Runde vollenden ist jetzt fast egal. Ich entscheide mich für letzteres. Zwischen Leezen und Rampe führt der Weg durch eine Senke, die sich als ziemliches “Frostloch” präsentiert. Jeder Meter Höhenunterschied bringt gefühlt 1° Temperaturunterschied. Mitte August und ich bereue für einen Moment, ohne Handschuhe losgefahren zu sein.

Der Weg entlang des Ramper Moors ist um diese Tageszeit unspektakulär und duster. Auf dem Paulsdamm mache ich noch einen kurzen Fotostop an einer der wenigen Stellen, wo der Baumbewuchs den Blick aufs Wasser freigibt.

Der Schweriner Außensee vom Paulsdamm aus
Der Schweriner Außensee vom Paulsdamm aus
Seehof im letzten Dämmerlicht
Seehof im letzten Dämmerlicht

Inzwischen ist auch das letzte Tageslicht verschwunden. Selbst der Vollmond bringt entlang des Langen Grabens und durch Schelfwerder nicht viel. Zu dicht ist hier der Wald entlang der Straße. Mein Fahrradlicht unterstütze ich noch mit einer Stirnlampe, das bringt ein paar Meter Sicht zusätzlich. Ab und zu kommen Autos vorbei und die Hälfte der Fahrer ist der Meinung, dass man für Radfahrer nicht abblenden muss. Ein paar mal muss ich anhalten, weil ich blind wie ein Hase im Scheinwerferkegel bin.

Zurück in Schwerin überlege ich kurz, entschließe mich aber, dass die City bei Nacht eine andere Fototour wird. Irgendwie mag ich nicht mehr. Nach 35 km Tour schiebe ich kurz vor 23:00 Uhr das Rad in den Keller. Schnell noch die Bilder auf den Rechner ziehen, eine erste Sichtung vornehmen und dann ab in die Koje.


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